Au-Schwiitz? - Hinschauen - Nicht Wegsehen

 

"Au - Schwiitz ?"

Nachdenken über den 'Holocaust' und die Schweiz im Zweiten Weltkrieg


Schweizer Lager_Stadelmann.pdf (21.4 MB)
Jürg Stadelmann, Schweizer Lager im II. Weltkrieg, 2009



Referat_Stadelmann.ppt (7.44 MB)
Referat zum Holocaust-Gedenktag an der Kantonsschule Alpenquai Luzern vom 27.1.2009 von Jürg Stadelmann

 

 

 

 

1070 Schweizer Baracken für deutsche Konzentrationslager

Schweizer liefern den Nazis Holzbaracken 1941-44

Ende 1940 reagierte das Oberkommando der deutschen Wehrmacht erstmals auf die Offerten aus der Schweiz, die schweizerische Holzbaracken zum Verkauf anboten. Die ersten Verhandlungen blieben aber ergebnislos.

Im Frühsommer 1941 übernahm die Waffen-SS über den in der Schweiz verkehrenden SS-Haupt-sturmführer Hans Wilhelm Eggen das bislang stockende Geschäft. Schweizer Geschäftsleute grün-deten daraufhin in Lausanne eine Aktiengesellschaft, welche "die Ver­­mittlung von Militärbaracken schweizerischer Fabrikation nach Deutschland und nach Italien so­wie den Handel mit Bildern" bezweckte. Einer der drei Verwaltungsräte dieser Firma war Oberstleutnant Henry Guisan, der Sohn des Generals, den man beizog, weil "er we­gen der Stellung seines Vaters alle Türen offen hatte".

Anfangs 1942 reiste die Direktion des Schweizerischen Holzsyndikates mit Zustimmung der Handelsabteilung des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements nach Berlin und am 22. Januar 1942 - zwei Tage nach dem auch in Berlin gefällten "Wannsee-Entscheid zur End­lö­sung der Judenfrage"  - kam es zum erfolgreichen Abschluss eines Lieferver­trages mit der SS-Firma über 2'000 Barac­ken im Wert von 21 Mio. Schweizer Franken.

Schon Ende März 1942 wurden mit den Schweizerischen Bundesbahnen 500 zerlegbare Holzbara­cken des Typs "Cron" (6 x 24 Me­ter) in leeren Kohlenwa­gen aus der Schweiz nach Deutschland gelie­fert: 200 Montagebaracken wurden nach Oranienburg bei Ber­lin spe­diert, die restlichen ka­men nach Dachau bei München. Im Herbst desselben Jah­res wurden die zweiten 500 Stück ausge­liefert. Weitere Ver­handlungen um die restlichen 1'000 Bara­c­ken fanden Ende 1942 statt und führten zu einem weiteren Vertrag, der aber nicht ausgeführt wur­de, da verschiede­ne Kompensationen und Gegenleistungen fehlten.

Die Gespräche im Herbst 1943 waren dann wieder erfolgreich. Am 7. Oktober wur­de die Lie­ferung von 70 Wohnhäusern in Holz vereinbart (grosse Doppel-Wohnbara­cken, die zwei Dreizimmer-wohnungen enthielten). Deren Versand erfolgte im Februar 1944.

Auch später fanden noch Verhandlungen statt, führten aber zu keinem Abschluss mehr.

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Ja was soll man heute dazu sagen?

Der Zeitzeuge und Biograph von General Henry Guisan, der bekannte Historiker Willi Gautschi hat dazu schon 1989 eindeutig festgestellt. "Über die Zweckbestimmung der an die Waffen-SS gelieferten Holzbaracken konnten die betei­lig­ten Unterhändler und Liefe­ranten wohl kaum im unklaren sein, denn zu die­sem Zeit­punkt wusste man auch in der Schweiz bereits Bescheid über die Existenz der Konzen­trationslager."

Leider ist das wahr und gehört ebenso zur Geschichte der Schweiz im II. Weltkrieg.

Jürg Stadelmann

Literatur

 Pierre-Th. Braunschweig, Geheimer Draht nach Berlin, Die Nachrichtenlinie Masson-Schellenberg und der schweizerische Nachrichtendienst im Zweiten Weltkrieg, NZZ-Verlag Zürich 1989. Insbesondere: Der Barackenhandel, S.182 ff und Fussnoten 45 ff, S.403 ff.

 Willi Gautschi, General Henry Guisan, NZZ-Verlag Zürich 1989. Insbesondere S. 522 f.

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